Johann Rudolf Schneider Arzt und Politiker. Hauptförderer der Seelandsentsumpfung
Gedenkstätte zu Ehren von Schneider in Meienried

Dr. Johann Rudolf Schneider

Johann Rudolf Schneider wird am 23. Oktober 1804 als Sohn des damaligen Wirts und Seilers Johann Schneider in Meienried geboren.

Schneider besucht die Stadtschule in Büren und beginnt 1821 eine Lehr als Apotheker in Nidau. Nur ein halbes Jahr später beginnt er ein Studium an der medizinischen Fakultät in Bern. 1828 eröffnet er eine Arztpraxis in Nidau. Hier beginnt seine politische Karriere mit der Wahl in den Gemeinderat (1832). 1836 wird er Grossrat und wird 1838 in den Regierungsrat berufen, dem er 12 Jahre angehört. Von 1848 bis 1862 gehört er auch dem Nationalrat an. 1850 wird die radikale Regierung abgewählt und Schneider wird als Arzt an das Inselspital berufen. Er ist Präsident der bernischen Aerztegesellschaft und fördert den Neubau des Inselspitals am heutigen Standort in der Kreuzmatte. Zeit seines Lebens setzt er sich für die Entsumpfung des Seelandes ein. Er fördert die Eisenbahnerschliessung des Kantons und ist Mitgründer der Ost-West-Bahngesellschaft.

Schneider gehört dem radikalen Flügel der liberalen Bewegung an. Er unterstützt Mitte der 1830-er Jahre die in die Schweiz geflüchteten Revolutionäre wie Mazzini, Mathy und Schüler und stellt ihnen seine eigene Druckerei für den Druck ihrer Schriften und Flugblätter zur Verfügung.

Als Präsident des Nidauer Schutzvereins engagierte er sich schon zu Beginn der 1830-er Jahre für die Entsumpfung des Seelandes. In «Gespräche über die Überschwemmungen im Seelande der westlichen Schweiz» legt Schneider die Nöte und Bedürfnisse der Seeländer Bevölkerung dar.

Er gründet 1840 die Vorbereitungsgesellschaft für die Juragewässerkorrektion, welche den Bündner Ingenieur La Nicca beauftragt, ein Projekt auszuarbeiten. Das 1842 vorgelegte Projekt wird der politischen Auseinandersetzungen (Sonderbundskrieg) wegen nicht weiter verfolgt.

Im Regierungsrat ist Schneider zuständig für das Gesundheits- und Sozialwesen. Er kämpft gegen die Armut und setzt sich für die Abschaffung der Bodenzinsen und Zehntenabgaben ein. Er fördert den Ausbau des Gesundheitswesens mit Notfallstuben und Bezirksspitälern.

Wenig Glück hat Schneider als Förderer des Eisenbahnbaus. Als Verwaltungsratspräsident der Ost-West-Bahngesellschaft muss er dessen Liquidation eingestehen. Er selber verliert bei diesem Konkurs sein persönliches Aktienpaket im Wert von rund 100'000 Franken.

Die Vereinigung für Heimatpflege Büren errichtete 1956 in Meienried eine Gedenkstätte bei Schneiders Geburtshaus und gab eine Festschrift über den "Retter des Seelandes" heraus.

Artikel von Max Widmer über die Schneider-Feier im HB 1956 >> Bestellen